Ein Kumpel von mir hatte bei seinem Netbook (Medion Akoya E1210) das Problem, dass er sich einen ganz besonders unangenehmen Virus eingefangen hatte, der sich nicht so ohne weiteres restlos vom System entfernen lies. Außerdem wollte er lieber Windows XP Pro statt Windows XP Home auf seinem Netbook nutzen. Eine schon etwas ältere XP-Pro-Installations-CD mit gültigem CD-Key war noch von einem ausgemusterten Rechner übrig geblieben. Diese sollte verwendet werden. Die Rettungs-Partition auf dem Netbook wollte er entfernen, um den Platz für "normale" Nutzerdaten verwenden zu können. Außerdem wollte er keine von Medion vorinstallierte Software auf dem Rechner haben, sondern nur die notwendigen Treiber und Anwendungsprogramme.
Ich halte an dieser Stelle die gewonnenen Erkenntnisse fest, damit sie nicht vergessen gehen, und evtl. auch andere davon profitieren können. Der beschriebene Weg ist natürlich nicht der einzig mögliche, und evtl. auch nicht der bestmögliche. Im konkreten Fall hat er aber nach ein paar Fehlversuchen zum gewünschten Ergebnis geführt, womit ich soweit zufrieden bin. Wenn man gleich alles richtig macht, benötigt man nur einen einzigen CD-Rohling, die Materialkosten sind also vernachlässigbar.
Alles, was hier beschrieben ist, sollte theoretisch auch auf dem (weitgehend baugleichen) MSI Wind U100 und verwandten Netbooks ohne Weiteres möglich sein.
Die Installation von Windows XP ist recht problemlos möglich, wenn man eine geeignete CD brennt. Das ist notwendig, weil das Setup von Windows XP die SATA-Festplatte nicht von Haus aus erkennt. Man kann wohl im BIOS-Setup einen Kompatibilitätsmodus für die Festplatte einstellen, aber dieser bremst die Festplatte wohl merklich aus, selbst wenn er nach der Windows-Installation wieder deaktiviert wird. Daher sollte man den steinigen, aber lohnenswerten Weg ohne Kompatibilitätsmodus gehen. Nur dann steht NCQ zur Verfügung, was man bei SATA-Platten normalerweise "mitgekauft" hat, und auch nutzen möchte.
Da das Netbook natürlich kein Floppy-Laufwerk hat, kann man also keine Setup-Diskette für Windows erstellen, wobei der beste Weg wohl eine maßgeschneiderte Windows-Installations-CD ist. Ein USB-Floppy-Laufwerk könnte auch eine Option sein, jedoch besitze ich kein derartiges, bzw. scheint mir die Anschaffung recht überflüssig (wer benutzt denn noch Floppys?).
7-Zip, WinImage und nLite auf dem Helfer-Rechner installieren. Sicherstellen, dass die Programme ohne Fehlermeldungen starten.
Auf http://www.medion.com/de/service/download/treiber.php gehen, dort nach "E1210" suchen. Zunächst ist für die Windows-Installation nur der Treiber "AHCI Treiber Netbook E1210/S1210" notwendig. Diesen downloaden.
Wenn man die downgeloadete Datei "ahce1210wxp.exe" startet, wird der Inhalt entpackt. Es handelt sich um eine einzige Datei namens "f6flpy32.exe".
Diese könnte man wiederum starten, was bei mir jedoch nicht funktioniert hat. Man kann aber den Inhalt dieser Datei mit 7-Zip entpacken. Dann hat man mal wieder eine Datei, diesmal "F32.IMA".
Diese "F32.IMA" kann man mit WinImage öffnen. Man findet in dem Image 8 Dateien, die man in ein geeignetes (vorher leeres) Verzeichnis auf der lokalen Platte entpacken kann.
Mit nLite kann man jetzt diese Treiber in eine vorhandene Windows-Installations-CD integrieren, wobei ich zunächst den Fehler gemacht habe, auch das aktuellste Service-Pack für XP zu integrieren. Dies hat jedoch bei der Installation dazu geführt, dass der CD-Key der CD nicht mehr akzeptiert wurde. Daher habe ich die CD erneut gebrannt, und dabei wirklich nur die hier beschriebenen Treiber in die CD integriert, und sonst keinerlei Änderungen von nLite durchführen lassen. Im Übrigen zeigt nLite einen Auswahl-Dialog für die Treiber an, hier kann man ohne Nachteile einfach alle markieren, um alle auf die CD zu bannen. Diese stammen alle von Intel, und sind für verschiedene SATA-Controller und dergleichen. Windows kann jedoch automatisch den richtigen für das konkrete Gerät erkennen und einbinden.
Falls die Medion-Seite die Treiber eines Tages nicht mehr enthalten sollte, kann man auch bei Intel oder allgemein nach einem Treiber für den "Intel(R) 82801GBM SATA AHCI Controller" suchen, ein solcher ist wohl im Medion Akoya verbaut (oder vielmehr in der Southbridge des Mainboards enthalten). Bei der Installation von Windows braucht man Textmode-Treiber, die man daran erkennen kann, dass eine der Dateien "txtsetup.oem" heißt. Alle anderen Treiber kann man erst installieren, wenn das Betriebssystem grundsätzlich installiert ist.
Wenn man alles richtig gemacht hat, wird die Festplatte im Netbook von der vorbereiteten Installations-CD korrekt erkannt, und man kann Windows normal installieren. Wenn man auf die Integration des Service-Packs verzichtet, sollte es theoretisch auch keinerlei Probleme mit dem CD-Key geben. Um den Virus und die Recovery-Partition wie gewünscht zu entfernen, kann man bei der Installation zunächst alle Partitionen auf der Platte löschen, und Windows dann installieren. Dann legt Windows eine einzige, neue Partition mit der maximalen Größe an, was im konkreten Fall genau so gewünscht war. Letztlich hat man an dieser Stelle alle denkbaren Möglichkeiten, weil das Windows-Setup beliebig auf die Festplatte zugreifen kann.
Nach der grundlegenden Installation kann man wie gewohnt das aktuellste Service-Pack und alle anderen Treiber, die man auf der Medion-Seite gefunden hat, installieren. Auch kann man natürlich über Windows Update alle vorhandenen Updates online einspielen. Im konkreten Fall war es z. B. notwendig, erst einmal das aktuelle Service Pack zu installieren, damit das WLAN genutzt werden konnte. Der Treiber alleine war nicht ausreichend, weil ältere Windows-XP-Versionen anscheinend nicht korrekt mit WPA/WPA2 zu Recht kommen. Daher auch der Hinweis mit dem USB-Stick, auf dem man das Service Pack und alle notwendigen Treiber ablegen kann. Alternativ könnte man alles wichtige auf eine zweite CD brennen. Sobald das Netbook selbst ins Netz kommt, kann man natürlich auch direkt alles auf das Gerät downloaden und installieren.
Auch relevant dazu ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Host_Controller_Interface